Warum wir Bots mehr über uns verraten müssen (und wie wir das mit wenig Arbeitsaufwand tun)

Bots sind wunderbar freundlich und hilfsbereit und zugleich furchtbar dumm. Sie wissen nicht, wo wir leben, wie wir aussehen, wie alt wir sind, welchen Job wir haben, in welcher Branche wir arbeiten oder was sie für uns tun sollen. Und erstaunlich viele Menschen sind irritiert, wenn sie dann auf ihre Anfragen generischen Marketing-Sprech von den Bots zurückerhalten. Wie sollen diese Bots denn anders?

Das ist die Sprache, mit der sie trainiert sind. Solange wir uns nicht vorstellen und keine genauen Anweisungen geben, was wir brauchen, sind sie ihrem Mehrheitsdatenbrei ausgeliefert.

Deshalb ist einer der ersten und vielleicht wichtigsten Tipps für besseres Prompten:

Gib dem Bot Kontext.

Sag ihm, wer du bist, wo du arbeitest, was eure Mission ist, wer eure Zielgruppe ist und was euch dabei wichtig ist. Anders gesagt: Stell dich vor!

Für meine imaginäre NGO “Ein Drache für alle” klingt das so:

“Ich arbeite als Freiwilligenmanagerin für die NGO “Ein Drache für alle”. Wir sind ein kleiner Verein in Deutschland mit 20 Mitarbeitenden. Unsere Mission ist es, die letzten Drachen der Erde zu schützen. Wir tun dies mit 

  • Kampagnenarbeit, 
  • politischem Lobbying, 
  • Bildungs- und Informationsarbeit 
  • und durch das Engagement unserer Freiwilligen bei der Datenerfassung bei Drachensichtungen. 

Wir arbeiten dabei vernetzt mit der Wissenschaft.

Ehrenamtliches Engagement zu ermöglichen, zu fördern und zu unterstützen, steht im Kern unserer Arbeit.

Wichtig sind uns Kommunikation auf Augenhöhe, Gemeinschaft und gemeinsames Lernen.

Wir finanzieren uns durch Stiftungsmittel, öffentliche Förderung und Spendenmittel.Unsere Spendenden verstehen wir als Teil unserer Engagierten-Community.”

Also: Wie beschreibt ihr euch in 5-10 Sätzen? Gib dem Bot diese Infos, BEVOR du die erste Frage stellst und lass dich (hoffentlich) überraschen, wie viel besser die Outputs werden.

So, nun zum Fach-Vokabular:
Custom Instructions

Was ist das? Custom Instructions sind Informationen, die du dauerhaft im Bot hinterlegen kannst, damit du dich NICHT jedes Mal neu vorstellen musst. Sie sind eine unglaublich schnelle Abkürzung. Wusstest du schon, dass das bei ChatGPT sogar in der Gratis-Version geht? Ab sofort auf jeden Fall 😉.

Typische Fragen, die du beantworten solltest:

  • Wer bist du? Nenne deine Position und Organisation, aus der heraus du ChatGPT nutzen willst.
  • Wer sind deine Zielgruppen?
  • Was ist eure Mission? Oder anders gesagt: Für was setzt ihr euch in der Welt ein?
  • Wie tut ihr das? Z.B. mit Bildungsarbeit, Beratung, Online-Kampagnen etc.
  • Was ist dir und deiner Zielgruppe oder Community wichtig?
     
    Bonus-Tipp 1: ChatGPT mag Struktur. Schreibe ganze kurze Sätze, gliedere sinnvoll, nutze Absätze oder Aufzählungen.
     
    Bonus-Tipp 2: Da ChatGPT vorrangig ein englisches Sprachmodell ist, gebe ich solche Informationen in Englisch an. Das vermeidet Übersetzungsfehler.
 
    Was du vermeiden solltest:
  • Wenn du ChatGPT weiter flexibel in verschiedenen Rollen nutzen willst, gib keine genauen Rollen vor, sondern starte jeden Chatverlauf damit, ChatGPT eine Rolle zu geben (oder wenn du die Bezahlversion hast, erstelle CustomGPTs). Mehr zu Rollen verrate ich in einem der nächsten Newsletter.
  • Teile keine sensiblen oder personenbezogene Informationen.

Und wie fülle ich das 2. Fenster aus?

Im zweiten Fenster kannst du beschreiben, wie ChatGPT dir antworten soll. Z.B. in welcher Sprache, strukturiert mit Markdown, kurz oder ausführlich, mit Quellen, Sprachstil etc.

Ich nutze kein ChatGPT, sondern…

In einigen anderen Modellen ist es möglich, Custom Instructions zu hinterlegen, aber meist braucht man technisches Know-How und muss quasi ein bisschen programmieren. Falls ihr Tipps und leichte Lösungen habt, immer her damit! 

Bis dahin empfehle ich euch, eure eigenen Custom Prompts, ggf. auch in Varianten, einfach in einem Text-Dokument leicht zugänglich auf dem Desktop o.ä. abzuspeichern.

Mehr solche Infos?