
Microsoft Copilot oder Langdock – welches KI-Tool eignet sich besser für den Arbeitsalltag? Ich habe gemeinsam mit einer Kollegin beide Tools mit typischen Aufgaben aus einer NGO getestet.
Wenn mich Organisationen fragen, welches Tool sie nutzen sollen, empfehle ich oft Langdock. Der Einstieg ist einfach. Der Funktionsumfang und die Modellauswahl sind riesig. Allerdings gibt es inzwischen Nutzungslimits für die starken Modelle.
In immer mehr Organisationen wird die Bezahlversion von Copilot eingeführt. Das Team lebt schon in der Microsoft-Welt. IT und Datenschutz sind schneller mit an Bord. Aber in der Vergangenheit war die Qualität enttäuschend.
Ist meine Empfehlung überholt? Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?
Zusammenfassung: Copilot ist bei der Arbeit mit Outlook, SharePoint und anderen Microsoft-365-Daten schneller und komfortabler. Langdock bietet mehr Flexibilität bei Modellen und Integrationen. In beiden Fällen entscheidet aber nicht nur das Tool über die Qualität: Eine gute Datenablage und präzise Prompts sind mindestens genauso wichtig.
So haben wir Langdock und Copilot getestet
Meine Kollegin Jana Piske und ich haben die beiden Tools zuerst jede für sich und dann an einem Nachmittag vor Publikum einigen alltagsnahen Tests unterzogen. Das Ergebnis hat uns überrascht und in einigen Annahmen bestätigt.
Unsere Challenge
Um nah an der Praxis zu sein, haben wir uns typische Aufgaben für die fiktive NGO “Grüne Pfote e. V.” ausgedacht:
- Langdock und Copilot sollen Infos aus einem Ordner raussuchen und korrekt zusammenfassen. Dazu gehören auch widersprüchliche Angaben, also mehrere Varianten eines Dokuments oder unterschiedliche Benennungen der gleichen Sache. Konkret soll das Tool zum Beispiel Ausgaben für Verpflegung zusammenrechnen und muss dazu im Jahresabschluss nicht nur die Buchungen unter “Bewirtung” finden, sondern auch unter “Catering”.
- Die Tools tragen Anmeldungen zu einem Sommerfest aus verstreuten Mails zusammen und entwerfen Mail-Antworten.
- Das Finale: Sind die Kontrahenten in der Lage, für “Grüne Pfoten” eine Präsentation in Corporate Design zu erzeugen? Präsentationen sind so eine Art Super-Challenge für KI-Tools, weil diese anders als Menschen Präsentationen nicht bildlich zusammenfügen, sondern den Code aus Vorlagen auslesen und dann die neue Präsentation als Code erzeugen. Dabei müssen sie über viele Zwischenstufen selbstständig arbeiten.
Los geht’s. Damit unsere Tools integriert arbeiten können, gebe ich Langdock mit kleinen Zusatz-Plugins (“Integrationen”) Zugriff auf Google Drive und Gmail. Copilot kann sich bei Jana ohenhin in Sharepoint und Outlook bewegen. Das ist bei Copilot Standard, aber dafür lässt es sich nicht so einfach mit anderen Programmen verbinden.
Bei Infos und Mails ist Copilot schneller

Passende Dokumente finden und unstrittige Infos wiedergeben – das erledigen beide Tools zuverlässig in Vortests und in der Live-Demo. Auch in Fällen mit konkurrierenden Infos aus Protokollverläufen oder Antragsversionen haben sie keine Probleme, die jeweils letzte Info als relevanteste herauszufiltern.
Die Quellendokumente per Klick nachprüfen geht. E-Mail-Entwürfe bekommen wir, wie gewünscht, in Outlook bzw. Gmail.
Copilot antwortet dabei schneller und ist ein bisschen komfortabler. Denn beim Prompting muss nicht wie bei Langdock die Ablage oder das Postfach gewählt werden, aus der die Antwort erfolgen soll.
Was die KI-Tools ins Wanken bringt
Bei Aufgaben mit Fallstricken geraten beide ins Stolpern. Langdock löst beide Aufgaben in den Vortests korrekt und patzt in der Live-Demo. Bei Copilot ist es umgekehrt.
So enthalten die Anmeldelisten zum Sommerfest, die aus verstreuten Mails zusammengetragen werden zu viele Menschen, weil Absagen nicht abgezogen werden. Und die in der Buchhaltung unter dem Begriff Catering “versteckten” Kosten bei der Berechnung von Bewirtungskosten werden einmal übersehen und einmal korrekt eingerechnet.
Mit Prompt-Details, die genauer sagen, worauf die Tools achten sollen, bügeln diese ihre Fehler aus. Für die Realität bleibt das herausfordernd. Denn im Alltag weiß ich oft nicht im Voraus, wo Dokumente inkonsistent sind oder wo ich besondere Hinweise im Prompting geben muss.
Erneut ein kleiner Pluspunkt für Copilot: Das Verlinken in die betroffenen Mails klappt. Langdocks Links zu Mail-Quellen lassen sich nicht öffnen. Zum Prüfen muss ich das Postfach von Hand öffnen.
Präsentationen im eigenen Design?

In der Vergangenheit habe ich mit Langdock (mit Claude Opus und Sonnet) ziemlich einwandfreie Präsentationen in meinem Corporate Design erzeugt. Dieses Mal scheitere ich. In den Vortests bricht Langdock dreimal ab. Dann ist mein Nutzungslimit für Claude-Modelle erreicht, ohne Ergebnis. Drei Stunden später starte ich einen neuen Versuch und werde bei Erreichen des Nutzungslimits wieder gestoppt. Nach zwei Anläufen habe ich 80 Prozent meines Wochenvolumens von Langdock verbraucht und immer noch kein taugliches Ergebnis.
Schließlich lasse ich Langdock im kleineren “Rückfall-Modell” ChatGPT Luna zu Ende arbeiten. Ich bekomme Präsentationen, die meinen Stil aufnehmen, aber nicht vollständig korrekt wiedergeben und Texte, die ein wenig Nachbearbeitung bedürfen. Bilder aus dem zur Verfügung gestellten Ordner werden passend eingesetzt, aber sind in wenigen Fällen gestaucht, wenn Vorlage und gewähltes Bild unterschiedliche Maße hatten.
In der Live-Demo versuche ich die Aufgabe nicht, weil die Erzeugung bis zu einer Stunde gedauert hätte.
Auch bei Copilot zeigen beide Tests eine Anlehnung an das Corporate Design, aber keine saubere Übernahme und Texte müssen nachgearbeitet werden. Im Vortest braucht Copilot nur wenige Minuten, die Präsentation besteht nur aus Text. In der Live-Demo lässt sich das Tool zehn Minuten Zeit und generiert Bilder im selbst gewählten Knet-Stil gleich mit. Was sichtbar wird: Copilot-Präsis (und Mails) klingen immer ein bisschen nach Marketing von einem US-Unternehmen.
Komplexe Prozesse besser in kleinen Schritten
In der Präsentations-Challenge zeigt sich auch, was ich schon oft erklärt habe: Es lohnt sich, komplexe Prozesse in kleine Schritte (erst Konzept, dann Text, dann Design) zu zerlegen und getrennt zu beauftragen.
Mehr dazu in meinem Artikel & Webinar „Präsentationen mit KI erstellen„.
Die fertigen Präsentationen, Organisationsanalysen der fiktiven NGO “Grüne Pfote e. V.”, gibt es auch online
Fazit Am Ende zählen Prompts und Ablage

Beide Tools können in Arbeitsprozesse und Ablagen integriert werden. Copilot ist in Microsoft Office tiefer integriert und antwortet schneller. Der einstige Vorteil von Langdock, dass ich für komplexe Aufgaben stärkere Modelle nutzen kann ist durch die geringen Nutzungslimits dahin. (Guthaben lassen sich nachkaufen, aber das will ich bei den Preisen für die Grundnutzung nicht.) Was als Stärke bleibt: Langdock lässt sich komfortabler mit diversen Programmen, auch außerhalb der MS Office-Welt verknüpfen.
Es gibt keinen Sieger. Jede Organisation muss abwägen. Aber wichtiger als die Auswahl des Tools sind eine ordentliche Ablage UND Prompts, die den Tools ausreichend Anleitung geben.
Eine 1:1-Gegenüberstellung der beiden Tools findet ihr im Kasten unten. Und wer mehr Anbieter will, sollte sich meine große tabellarische Übersicht deutscher Reseller anschauen.
Was ist mit lokalen Modellen?
Die Live-Demo endet mit einer Frage aus dem Plenum: Wären lokale Modelle nicht deutlich billiger und sicherer?
Die ehrliche Antwort: Die Nutzung lokaler Modelle wird einfacher, aber sie bleibt aufwändig, auf bestimmte Aufgaben eingeschränkt und ist keinesfalls umsonst. Ich teste gerade fleißig und werde mich dem Thema bald widmen.
Copilot vs. Langdock – Basis-Fakten
Preise
- Copilot ab 20 Euro, Langdock ab 23 Euro (jeweils zzgl. MwSt)
- Bei beiden Tools zahlt ihr pro Person pro Monat. Bei Copilot ist das technisch nicht verhandelbar – ein Login, ein Mensch. Bei Langdock lässt sich ein Zugang theoretisch teilen. Das verstößt allerdings gegen die Nutzungsbedingungen und ihr könnt dann nicht mehr nachvollziehen, wer was gemacht hat.
Integration
- Copilot funktioniert innerhalb der Microsoft-Welt: Word, Excel, Outlook, Teams, SharePoint.
- Langdock lässt sich mit vorbereiteten Integrationen/Plugin an verschiedene Umgebungen andocken, zum Beispiel an eine Google-Umgebung.
Funktionen
- Copilot integriert sich nahtlos in eure Office-Umgebung. Es bietet euch Assistenzen (sog. Agenten) und eine Promptbibliothek an. Für die Erstellung von Automationen muss das Copilot Studio als zusätzliches Addon kostenfrei installiert werden, danach wird nutzungsbasiert abgerechnet.
- Langdock bietet mehr Funktionen rund um Assistenzen (sog. Agenten), Projekte, Promptbibliotheken, Canvas und Skills. Dazu kann Langdock mit den Workflows umfangreichere Automationen zwischen Umgebungen durchführen. Getestet haben wir diese Funktion nicht. Auch hier fallen nutzungsbasierte Kosten an.
Modellauswahl
- Bei Copilot könnt ihr auf ChatGPT, Claude und Mistral zugreifen. Bei Janas Test gelang der Zugriff auf Mistral nicht.
- Bei Langdock könnt ihr aus dutzenden Modellen bis zu den sehr starken Modellen (wie Claude Opus) wählen. Allerdings ist deren Nutzung durch die Nutzungslimits eher punktuell möglich.
Datenschutz
Beide Anbieter stellen eine Auftragsverarbeitung (AVV/DPA) zur Verfügung. Das ist ein Startpunkt, kein Freibrief. Prüft in jedem Fall mit euren Datenschützer:innen und Leitungen, für welche personenbezogenen und sensiblen Daten und Nutzungen ihr das jeweilige Tool freigebt.
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